Fotoausstellung: FREIHEIT ERINNERN. Plötzlich war die Welt offen

Wer die Freiheit von heute verstehen will,
muss sich an die Unfreiheit von gestern erinnern.

Fotoausstellung, 6.11. – 5.12.2026
Grenzöffnung im Harz – 1989

Wahrscheinlich bin ich schon neugierig zur Welt gekommen. Nach meinem Abitur durfte ich in Essen Fotojournalismus studieren. Meine Professorin Angela Neuke-Wiedmann, war in dieser Hinsicht während des Studiums sehr prägend, ebenso einige Bildredakteure, die ich damals besucht habe. Ihnen war es relativ egal, wie ein Bild entstanden ist. Hauptsache, es ist gut und mitreißend! Angst ist bei der fotografischen Arbeit kein guter Ratgeber. Das heißt keineswegs, dass sie gänzlich fehlt.

Es war verboten, die Spionagetürme auf westlicher Seite zu fotografieren. Darüber, dass man Grenzen ebenfalls nicht fotografieren darf, hat mich viel später ein polnischer Komenndant Placówki Straży Granicznej (Kommandant der Grenzschutzstelle) aufgeklärt. Ich wurde von einem polnischen Grenzoffizier verhaftet, weil ich den Grenzverlauf am Bug zwischen Polen und Weissrussland fotografiert hatte. 

Am ehemaligen Grenzübergang Gerblingerode bin ich in den ersten Pendelbus eingestiegen, der DDR Bürger zwischen der BRD und der DDR transportieren sollte. Für Westdeutsche bestand offiziell bis zum 1. Weihnachtsfeiertag Visumspflicht. Ich saß auf der letzten, der Rückbank im Bus, als ein Passkontrolleur vorn den Bus betrat und fragte, ob ausser DDR-Bürgern noch andere Menschen im Bus seien? Niemand, auch ich nicht, meldete sich. So bin ich einen ganzen Tag in der DDR gewesen und habe dort gestaunt und fotografiert. Zurück ging es mit dem gleichen Bus am Abend. Aber bei der Ausreise wurden die DDR-Bürger seit der Grenzöffnung nicht mehr gefragt.

Auch in den den folgenden Wochen ist es mir ähnlich ergangen. Unbewußt hatte ich schon lange meine eigene Strategie entwickelt, um solche Situationen zu umgehen und dennoch meiner Neugier nachgehen und Bilder machen zu können. Das gilt übrigens bis heute.

Vom Sternmarsch zum Brocken habe ich durch einen Zufall erfahren. Sofort stand für mich fest, das ich dabei sein mußte. So bin ich über den provisorischen Grenzübergang Eckertal/Stapelburg nach Ilsenburg gefahren und mit den Wanderern gemeinsam zum Brocken gewandert. – Das war der Beginn meines bis heute andauernden Lebensprojektes.

Wenn ich zurückblicke, waren die folgenden Jahre sehr freie Jahre. Zwar gab es für viele Dinge Regeln, aber niemanden mehr, der sie durchsetzen konnte oder wollte. Meine Fotos sind davon ein Zeugnis. Ich freue mich, wenn die Betrachterinnen und Betrachter Spass daran haben, die Details und Gesichter der Bilder zu entdecken: FREIHEIT ERINNERN. Plötzlich war die Welt offen.

Hansjörg Hörseljau

Plakat der Fotoausstellung FREIHEIT ERINNERN.

Mauerfall in Gerblingerode am 11. November 1989

 

 

HANDKUNST      –      Schützenstraße 64      –     37444 St. Andreasberg

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