Als Zeitzeuge gefragt: Fotograf Hansjörg Hörseljau

Am 3. Dezember 1989 bin ich das erste Mal auf dem Brocken gewesen. Zwischen Ost- und Westdeutschland war die Mauer am 9. November gefallen. Die Grenze hatte ihren Schrecken verloren und war kein Hindernis mehr. Nur der Brocken war auch 3 Wochen nach dem Mauerfall noch Sperrgebiet.

So regte sich Widerstand: Harzer Wanderfreunde riefen zu einem Sternmarsch auf den Brocken und wollten das letzte Symbol der Unfreiheit stürmen. Ich hatte mich in Ilsenburg verabredet, um mich dem Demonstrationszug anzuschließen. Nach dem langen Aufstieg sammelten sich die Menschen vor dem Brockentor und demonstrierten. Als auf der Wetterstation ein Bettlaken mit „Mauer weg“ entrollt wurde, brach Jubel aus.

Großer Jubel brach aus, als auf der Wetterstation ein Bettlaken mit „Mauer weg“ entrollt wird.
Brockenöffnung um 12.47 Uhr

Um 12.47 Uhr erreichte die Menschenmenge die symbolträchtige Öffnung des Brockentors. Die Menschen liefen die letzten Meter bis zum Brockenplateau. Sie sangen, tanzten oder bestaunten einfach nur die Aussicht an diesem wunderbaren Tag. Der Sehnsuchtsberg ist seitdem für alle Menschen frei zugänglich. Für alle, die an diesem Tag dort oben gewesen sind, war es ein unvergeßlicher Tag.

Weil an diesem Tag auch das Zentralkomitee und das Politbüro der SED zurück getreten sind, war die Brockenöffnung damals in den Medien nur eine Randnotiz.

30 Jahre später – fast doppelt so alt wie damals – bin ich auf dem Brocken als Zeitzeuge gefragt gewesen. Bisher habe ich Menschen fotografiert, die interessant sind, etwas zu sagen haben oder spannende Geschichten erzählen. Am 3. Dezember 2019 war das umgekehrt.

Fernsehteam des NDR von Hallo Niedersachsen.
Gespräch mit Hansjörg Hörseljau im MDR

Ein schönes Gespräch über die historischen Ereignisse, meine Motivation und das Brockenbuch hatte ich mit MDR Moderatorin Beatrice Schwartner:

https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung-496318.html

Der Brocken live im MDR

Ab 5 Uhr morgens hat der MDR live vom Brocken berichtet. Moderatorin Antonia Kaloff habe ich von meinem historischen Tag am 3. Dezember 1989 erzählt.

Gegen 10 Uhr war ich mit einem Fernsehteam von Hallo Niedersachsen an dem Ort auf Spurensuche, an dem sich 1989 die Menschenmenge versammelte, um für die Freigabe des Brocken zu demonstrieren.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Vor-30-Jahren-Der-Mauerfall-auf-dem-Brocken,hallonds55520.html

Der Beitrag steht deutlich unter dem Sparzwang, dem das öffentlich-rechtliche Fernsehen unterworfen ist. Ein Interview eines Fotografen mit Bildmaterial anderer zu bebildern ist kaum zu überbieten. Dabei schwindet leider auch die Qualität und Glaubwürdigkeit.

30 Jahre Brockenöffnung im „heute journal“

Gegen 14 Uhr war ich dann mit dem ZDF verabredet. Im „heute journal“ vom 3. Dezember ist ein schöner Beitrag zu 30 Jahre Mauerfall am Brocken von Annegret Oster zu sehen. Dort wurden auch 10 meiner historischen Bilder gezeigt.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/30-jahre-mauerfall-am-brocken-100.html

Erinnerung

Erinnerung hinterläßt bei vielen Menschen Spuren. Manchmal verschwinden Details oder sie wird durch Dinge ergänzt, die objektiv nicht geschehen sind.

Meine Fotos, die ich am 3. Dezember 1989 oder später gemacht habe, bleiben so, wie ich sie damals fotografiert habe. Sie sind Dokumente der Zeitgeschichte. 

Vieles von dem, was ich fotografiert habe, ist inzwischen verschwunden. Einen schönen Querschnitt über alles, was seit den 70er Jahren rund um den Brocken passiert ist, befindet sich in meinem Brockenbuch „Der Brocken – ein freier Berg“.

Der Brocken ist ein Symbol der Freiheit.

 

ZDFinfo – Lost Places – Schicksalsorte der Deutschen Teilung

Im TV-Programm: ZDFinfo, 05.10.2019, 20:15 – 21:00 oder ab sofort Online

Mauer und Stacheldraht dominierten das Verhältnis beider deutscher Staaten in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Film zeigt sieben andere Orte, an denen der Irrsinn der Teilung sichtbar wurde.

30 Jahre nach dem Mauerfall sind diese Plätze in Vergessenheit geraten – Lost Places. Noch immer geheimnisvoll und sehr geschichtsträchtig. Den Brocken, sagenumwobener Berg im Harz, durften in den Jahren der Teilung weder West- noch Ostdeutsche erklimmen.

Streng von einer zusätzlichen Mauer abgeschirmt, lag dort der höchste Horchposten Ostdeutschlands. Sowjetsoldaten und das Ministerium für Staatssicherheit hörten von hier aus Funksprüche und Telefonate bis an den Ärmelkanal ab. Erst mit dem Mauerfall endete die Zeit dieser geheimen Späher. Inzwischen ist der Brocken wieder ein begehrter Touristenmagnet, ein Museum erinnert an die Zeit der Teilung.

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/lost-places-schicksalsorte-der-deutschen-teilung-102.html

In der Dokumentation anläßlich 30 Jahre Mauerfall bin ich im Interview und mit eingeblendeten Fotos zu sehen. 

Zwei Tage zuvor, am 3. Oktober um 11:30 Uhr – ZDF – sind ebenfalls einige meiner Fotos in der Doku Grenzgänger zu finden.

https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/grenzgaenger-106.html

Aus "Der Brocken – ein freier Berg"
Die Brockenmauer war schon vor 1989 brüchig.

„Der Brocken – ein freier Berg“ – Bildband von Hansjörg Hörseljau

Die Brockenmauer kippt

Mit einzigartigen Bildern dokumentiert das Brockenbuch die Zeitgeschichte und Schönheiten rund um Norddeutschlands höchsten Berg. Der Chronist und Harzfotograf Hansjörg Hörseljau nimmt den Betrachter mit auf eine spannende Zeitreise der Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Er öffnet mit seiner Kamera Objekte, die für den normalen Brockenreisenden unzugänglich sind. Mit 192 Seiten und 178 Farbfotos ist ein informativer und einzigartiger Bildband entstanden.

Seit 45 Jahren ist Hansjörg Hörseljau Kenner und Chronist des Brockens. Schon als Schüler hatte er den Berg vor Augen: Damals ganz nah – aber unerreichbar. Die innerdeutsche Grenze durchtrennte den Harz. Hansjörg Hörseljau ist mit dem zweigeteilten Harz in Niedersachsen aufgewachsen. In den 70er Jahren erlebte er im Harz eine weltweit einzigartige Spionageaufrüstung auf den Harzer Bergen. Auch das hat er mit seiner Kamera festgehalten.

1989 überschlugen sich die Ereignisse: Als schon alle Mauern und Tore geöffnet waren, war der Brocken verschlossen, wie in den Jahrzehnten zuvor. Am 3. Dezember organisierten Harzer Bürger in der DDR einen Protest-Sternmarsch zum Brocken, in dessen Verlauf das Tor der Brockenmauer nach 28 Jahren geöffnet werden musste. Seitdem ist der Brocken frei und für alle Menschen zugänglich. Hansjörg Hörseljau war damals Zeitzeuge und Fotograf der historischen Ereignisse.

Bis zum Mauerfall 1989 hatte er den Brocken aus dem Westen fotografiert. „Ich wollte festhalten, was passierte, auch später, als die Russen vom Brocken abzogen, tausende Tonnen Schutt abgefahren wurden und der Brocken wie auch alle anderen Spionageberge ihr ursprüngliches Gesicht zurück bekamen.“ Der Bildband ist eine historische Dokumentation und ein Buch, dass die Schönheiten rundum Norddeutschlands höchsten Berg zeigt.

Bildband, 192 Seiten, 178 Farbfotos – ISBN 978-3-9803471-4-3.

Brockenbuch, Titel

Zeitgeschichte im Harz – das Brockenbuch

Die Brockenmauer kippt

„Die Mauer wird so lange bleiben, wie die Bedingungen nicht geändert werden, die zu ihrer Errichtung geführt haben. Sie wird auch noch in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind.“auf einer Tagung aus Anlaß des 500. Geburtstages von Thomas Müntzer am 19. Januar 1989, NEUES DEUTSCHLAND vom 20. Januar 1989,

Im Brockenbuch ist die Zeitgeschichte im Harz ausführlich in Bildern und informativen Bildunterschriften festgehalten. In der Zeit des Kalten Krieges standen sich die Supermächte mit ihren Spionageanlagen auf der Welt nirgends so geballt gegenüber, wie im Harz: Auf dem Brocken hatte der Geheimdienst der Russen seine Lauscher bis weit in den Westen ausgestreckt. Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR  spionierte westliche Politiker vom Brocken aus.

Im Westharz waren alle hohen Berge mit Abhöranlagen der USA, Frankreichs und der Bundesrepublik Deutschland bebaut und besetzt. Sie spionierten weit in die Warschauer-Pakt-Staaten hinein.

Dieser Status Quo, der Abzug Truppen und der Abbau der Geheimdienstanlagen sind ausführlich im Brockenbuch zu finden.

Dann erfolgte der Wandel von einem Schuttberg (der Brocken) zu einem einzigartigen Naturparadies – dem  Nationalpark Harz, ein Prozess, der fast 30 Jahre gedauert hat.

Das „Brockenbuch“ ist ein fotografisches Langzeitprojekt, dass die Geschichte festgehalten hat. Vieles, was in dem Buch abgebildet ist, ist schon lange Geschichte.

 

Das Buch ist hier versandkostenfrei bestellbar.
Solange vorrätig gibt es eine historische Postkarte dazu.

Sprengung
Die Abhöranlagen auf dem Stöberhai im Westharz werden am 23. September 2005 gesprengt.

Alltagshelden auf dem Brocken

Gedenktag der historischen Brockenöffnung

3. Dezember 2018: Seit 29 Jahren sorgen die Mitglieder der Bergwacht Wernigerode ehrenamtlich für die Sicherheit auf dem Brocken. Alle waren bei der historischen Brockenöffnung am 3. Dezember 1989 mit dabei. Heute sind sie zwischen 65 und 81 Jahre alt. Von links: Wolfgang Schökel (81), Erich Goedecke (65), Volker Giebel (65), Klaus Deter (75), Jürgen Tracht (71), Heinz Plate (76), Klaus Sittka (72).

Neue Spionageausstellung im Brockenhaus eröffnet

Der NSA-Turm auf dem Wurmberg wird gesprengt.

Im Brockenmuseum ist nach fast zweijähriger Umbauzeit die Spionageausstellung eröffnet worden. Die Kölner Agentur 235 Media hat das Multimedia-Konzept entwickelt und dabei größtenteils auf meine historischen Fotos zurück gegriffen. Gleich am Eingang treten die Besucher durch mein historisches Mauerbild in den Ausstellungsraum. Neben historischen Dokumenten fällt dort der ehemalige Abhörturm der NSA auf dem Wurmberg (von mir am 18.9.1994 fotografiert). Mit der Öffnung der neu gestalteten Ausstellungsräume ist auch die Besucherplattform auf dem Brockenhaus wieder zugänglich. Der Besuch der Ausstellung lohnt sich: Schön ist, dass mit dem Turmfall auf dem Wurmberg auch die Abhördienste auf niedersächsischer Seite im Museum präsentiert werden.

Ausstellungseröffnung im Beisein von Prof. Dr. CLAUDIA DALBERT, Umwelministerin Sachsen-Anhalt, Nationalparkleiter Andreas Pusch, Oberbürgermeister Peter Gaffert und Christoph Lampert.

 

Jahrestag der Brockenöffnung am 3. Dezember 2017

Jahrestag der Brockenöffnung

Vor 28 Jahren, am 3. Dezember 1989 wurde bei einem Sternmarsch die Öffnung des Brockens erstritten. Am 3. Dezember wird jedes Jahr an diese eindrucksvolle Demonstration erinnert. Damals bin ich auch als Zeitzeuge dabei gewesen und habe den Tag im Auftrag des SPIEGELs dokumentiert. Traditionell verteilt der Brockenwirt (Christiane Steinhoff) an die Teilnehmer ein Fläschchen Schierker Feuerstein.

Brockenbenno (Benno Schmidt) erinnert an die Brockenöffnung vor 28 Jahren.

Unter den Wanderern war auch Dr. Oliver Junk, Präsident des Harzklub und Oberbürgermeister von Goslar. Dieser Tag wird vom Harzklub mit einer Sternwanderung zum Brocken begangen.

Brockenbenno, Benno Schmidt (rechts) errinnert an die Brockenöffnung vor 28 Jahren.

Vor 28 Jahren schien auf dem Brocken die Sonne bei guter Fernsicht bis zum Thüringer Wald.

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