Vollmond und Brockenbahn am Brocken

 

Hansjörg Hörseljau
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Der Brocken

Clausthal-Zellerfeld

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Photographie





Buchtitel

Das Buch zum Anschauen

 

Videoporträt´s über Hansjörg Hörseljau

 
Brocken 1988
3. Dezember 1989
Die Grenze zwischen Wurmberg und Brocken
Abhöreinheit der russischen Truppen
Geheimdienste im Harz
Sturm und Regen
Regenbogen
Pilzkaskade
Verzauberte Natur
         

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Inhalt

 

 

1989 – 2010

"Der Brocken – ein freier Berg" ist ein reichhaltiger Bildband und zugleich ein bebildertes Geschichtsbuch: 172 Farbfotos zeigen die Vielfalt des Brocken und seine Entwicklung in den vergangen 3 Jahrzehnten. Nach dem 2. Weltkrieg verlief die innerdeutsche Grenze unmittelbar vor oder hinter dem Brocken entlang. 28 Jahre durfte der Berg nicht betreten werden. Auf beiden Seiten der Grenze hatten die Geheimdienste die Berge besetzt, um jeweils tief in die andere Seite hinein zu horchen. Nach 20 Jahren der Neuordnung darf die Natur wieder ursprünglich sein. Die Bilder zeigen auch diese Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte.

Das verschlossene Brockentor

3. Dezember 1989

Am 3. Dezember war es soweit, durch Zufall hatte ich vom Sternmarsch zum Brocken erfahren. Über Eckertal/Stapelburg fuhr ich in aller Frühe in die DDR. Den Mehrfachberechtigungsschein, den ich noch benötigte, um in die DDR zu fahren, hatte ich regelmäßig beantragt, doch nur selten genutzt. Der Grenzübertritt und der Zwangsumtausch waren inzwischen zwar reine Formsache – die Angst, die Schikanen, die man bisher an der Grenze ertragen musste, waren indes nicht vergessen.

In Ilsenburg warteten schon einzelne Grüppchen auf den Abmarsch. Nach kurzer Ansprache setzten sich ungefähr 400 Menschen in Bewegung, auf Wegen, die bisher in der Sperrzone lagen und in keiner Landkarte verzeichnet waren. Immer höher und steiler. In Höhe des Renneckenberges lag knöchelhoher Schnee. Viele hatten damit nicht gerechnet -- wie sollte man auch. In Ilsenburg lag nicht der Hauch einer Schneeflocke, und bis zu dieser Höhenlage hatten nur wenige Zugang. Viele ältere Wanderer hatten Erinnerungen: Vor fast 30 Jahren waren sie zuletzt auf diesen Pfaden unterwegs.

Die Grenztruppen verkaufen Würstchen

Der Trampelpfad hatte bald ein Ende, er mündete am Brockenbett in die Brockenstraße. Ich traute meinen Augen kaum: Dort standen Soldaten der Grenztruppen, die nun Würstchen für eine Mark verkauften und damit die Marschverpflegung der Demonstranten übernommen hatten. Würstchen statt Waffen, das Ende der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik! Dabei war der Brocken eigentlich eine der letzten Bastionen, alle anderen waren bereits vom Volk eingenommen worden. Nur die Festung Brocken, wichtigster Lausch- und Verbindungsposten des Staatssicherheitsdienstes, der vorgeschobenste Horchposten des Warschauer Paktes, das Geheimste des Geheimen trotzte noch der Macht des Volkes. Dabei war die Entwicklung schon längst unumkehrbar. Kurz nachdem wir die Reste der Schranke, den allerletzten Wachposten in der Nähe des Brockenbettes erreicht hatten, kamen uns bereits die ersten Menschen entgegen. Sie hatten aufgegeben, das Tor sei zu und es sei nichts zu machen. In Anbetracht der Menschenmassen fassten die meisten aber wieder Mut und kehrten um, wanderten nochmals zum Brockentor hinauf.

Warten und Singen vor dem Brockentor

Das gesamte Brockenplateau war mit einer drei Meter hohen und fast drei Kilometer langen Mauer aus Fertigbetonteilen umgeben. Auf den ersten Blick eine unglaubliche Festung -- die, wie sich später herausstellte, an vielen Stellen brüchig und wackelig war und den rauen Witterungsverhältnissen kaum standhielt. Vor dem Brockentor hatte sich schon eine größere Menschenmenge angesammelt und wartete. Einige Vertreter der Bürgerbewegung verhandelten mit der hier noch herrschenden Staatsmacht. Auf der Wetterwarte, die innerhalb des gesperrten Bereiches lag, wurde ein Transparent mit „Mauer weg“ hochgezogen. Die Rufe nach Öffnung des Tores wurden immer drängender. Der wachhabende Offizier war sichtlich um Haltung bemüht. Er wurde schließlich vor die Alternative -- entweder das Tor wird bis 13.00 Uhr geöffnet oder das Tor ist um 13.00 Uhr offen - gestellt. Kurze Zeit später, nach nochmaligem Telefonat mit „Berlin“, wurde das Tor geöffnet. Dann gab es kein Halten mehr: Die inzwischen stark angewachsene Menschenmenge strömte gespannt in die Festung hinein, verteilte sich über das gesamte Brockenplateau und umrundete die geheimen und nochmals eingezäunten Anlagen.

Das Brockentor ist auf!

Vorbei ging es am Pfefferminzpalast und am Bahnhof zum Gipfel. Eine phantastische Sicht auf viele Städte und Dörfer war die Entschädigung für den anstrengenden Aufstieg. Tanzend und singend nahmen die Menschen wieder Besitz vom Brocken. Volksfeststimmung -- ausgelassen wurden Lieder gesungen, Menschen umarmten sich.

Von den bisherigen Besatzern war kaum etwas zu sehen. Einige junge Soldaten verfolgten den Demonstrationszug aus den Fenstern des Bahnhofs, andere betätigten sich als Fremdenführer und erklärten den Wanderern die umliegenden Ortschaften und Städte. Neugierig sahen sowjetische Soldaten dem Treiben von der anderen Seite des Zaunes aus zu. Von nun an waren sie es, die beobachtet wurden, mit langbrennweitigen Teleobjektiven wurde jeder ihrer Schritte festgehalten, eine völlige Umkehr der bisherigen Situation.

Für mich war dieser Tag der Beginn meines bisher umfangreichsten Projektes. Immer wieder bin ich auf dem Brocken gewesen und habe versucht, die wichtigsten Entwicklungen dieses nach dem Brandenburger Tor und der Mauer in Berlin wichtigsten Symbols der deutschen Teilung festzuhalten. Oft galt es zu warten, unverrichteter Dinge wieder hinunterzufahren (mit dem Fahrrad), weil der Berg tagelang im Nebel lag.

Luftbild aus dem Flugschrauber

2009

Vor 20 Jahren fiel die Mauer, auch die Grenze im Harz: Duderstadt, Ellrich, Stapelburg und schließlich überall. Vieles von damals ist verschwunden, es gibt nur noch wenig authentische Zeichen in der Landschaft, schnell geht die Geschichte über das hinweg, was eine Generation in Deutschland geprägt hat. Unsere Kinder können kaum noch erahnen, wie es damals gewesen sein muss.            

Damals wie heute habe ich fotografiert, bin bei der Grenzöffnung in Duderstadt gewesen, habe den Zaunfall zwischen Walkenried und Ellrich erlebt und war am 3. Dezember 1989 bei der "Erstürmung" des Brockens mit dabei.

Ich wollte festhalten, was passierte, auch später, als die Russen vom Brocken abzogen, tausende Tonnen Schutt abgefahren wurden und der Brocken sein ursprüngliches Gesicht zurück bekam. Aber auch auf niedersächsischer Seite hatte die Zeit des kalten Krieges Spuren hinterlassen. Nahezu alle hohen Berge hatten die westlichen Geheimdienste in Beschlag genommen. Nichts von dem ist übrig geblieben, auch das hat die Geschichte davon gefegt. Ich habe auch hier fotografiert.

Manches gerät in Vergessenheit, aber in meinen Bildern bleiben die Ereignisse lebendig (Beispielbilder oben auf dieser Seite). Vieles davon finden Sie in "Der Brocken – ein freier Berg".

Hansjörg Hörseljau

 

 

 
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